Isabell Wieland - Autorin
 
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Amnesie

Prolog

Das Letzte, an das ich mich erinnere? Der Überfall… Klar, das war wahrscheinlich die dümmste Idee, die ich jemals hatte. Warum wir es trotzdem getan haben? Das liegt doch klar auf der hand: des Geldes wegen und wegen diesem gewissen Kick. Es wäre so leicht gewesen und am Anfang lief auch alles wie geplant. Doch dann griff der Ladenbesitzer meinen Freund an. Ich geriet in Panik. Aus Reflex habe ich abgedrückt. Wie in Zeitlupe trat die Kugel aus dem Revolver, durchquerte den Raum und traf den Ladenbesitzer im Bauch. Sein Gesicht verzerrte sich vor Schmerz, blutüberströmt glitt er zu Boden. Anstatt zu bleiben und einen Arzt zu rufen, flohen wir. Der Ladenbesitzer verblutete.

Seitdem ist mein Freund total verändert. Er leidet unter Verfolgungsangst und das völlig ohne Grund. Die Polizei hat keinerlei Hinweise auf die Täter und nicht den Hauch einer Spur, sie würden uns niemals auf die Schliche kommen. Doch mein Freund konnte mit unserem schrecklichen Geheimnis nicht leben und wollte zur Polizei gehen, er wollte gestehen was wir getan hatten.

Das konnte ich doch nicht zulassen, oder?

 

 

Schweißgebadet wachte ich auf, ein schrecklicher Traum hatte mich aus meinem Schlaf gerissen. Plötzlich war alles wieder da, der Überfall, der Schuss, das viele Blut. Es war so grauenhaft, es hatte sich bereits so tief in meine Gedanken gebrannt, dass nicht eine Minute verging, ohne dass ich mich an alles erinnerte. Ich stieg aus meinem Bett und ging ins Bad. Mein Spiegelbild sah so fremd aus, als ob ein völlig fremder Mensch mir entgegen sehen würde. Ich wusch mein Gesicht und sah erneut in den Spiegel. Das war nicht ich selbst. Wütend ballte ich meine Faust und schlug mit all meiner Kraft in den Spiegel. Ein stechender Schmerz durchfuhr meine Hand. Aus mehreren tiefen Schnitten strömte Blut. Abwesend starrte ich die rote Flüssigkeit an, die über meine Hand rann und schließlich lautlos zu Boden tropfte. Mir wurde schwindelig, ich musste mich setzen. Ich drehte den Wasserhahn der Badewanne auf und ließ das kalte Wasser über meine Hand laufen. Die Wanne färbte sich langsam rot. Als die Schmerzen nach und nach verschwanden, verband ich meine Hand, zog mich an und machte mich auf den Weg zu der Wohnung meines Freundes. Auf dem Weg dahin versuchte ich krampfhaft, mich an die vergangenen Tage zu erinnern, doch es gelang mir nicht. Irgendetwas musste vorgefallen sein, Etwas, was mein Gedächtnis verdrängt hatte.

Als ich die Wohnung erreichte und klingelte, erhielt ich keine Antwort. Ich kramte in meiner Tasche nach dem Schlüssel. Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit. Ich schloss auf und trat ein. Sofort stieg mir ein beißender Gestank in die Nase. Es roch nach Fleisch, das zu lange gelegen hatte. "Schatz?" rief ich unsicher. Wieder erhielt ich keine Antwort. Leise schlich ich durch die Wohnung. Die Tür zum Badezimmer stand etwas auf, der Gestank wurde stärker, fast unerträglich.

Vorsichtig tastete ich nach dem Lichtschalter des Badezimmers. Licht durchströmte den Raum. Ich begann zu schreien. Sofort wurde alles um mich herum schwarz.

Als ich wieder wach wurde, befand ich mich immer noch im Badezimmer meines Freundes. Ich sah mich um. Als mein Blick auf die Badewanne fiel, zuckte ich zusammen. Plötzlich waren alle Erinnerungen wieder da. Jetzt wusste ich wieder, dass er zur Polizei gehen wollte. Da bin ich ausgerastet. Ich habe ihn angeschrieen, doch er hatte sich nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen. Ohne nachzudenken hatte ich dann nach einem Kerzenhalter gegriffen und Diesen meinem Freund über den Schädel gezogen. Sein Kopf hatte zu bluten begonnen und natürlich war er sofort ohnmächtig. Ich habe ihn dann ins Badezimmer geschliffen und in die Wanne gehievt. In der Decke über der Wanne war ein Haken und in der Garage meines Freundes hatte ich ein Abschleppseil gefunden. Wie ich geschafft habe, weiß ich nicht mehr, aber schließlich hing er an dem Seil von der Decke.

Und dort hing er immer noch. Sein Blut war in seine Hände und Füße gelaufen, sie waren bereits schwarz. Sein restlicher Körper war völlig farblos, er sah so leer aus. Mit traurigen Augen schien er jeden meiner Schritte zu verfolgen. Auf seiner Stirn stand in blutigen Buchstaben "Verräter".

Du wirst gar nichts erzählen, dachte ich, niemandem…

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Vom Schicksal und dem großen Geld  
  Erschienen am 13.05.08 ! !  
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